Die Gespa-Sperrliste 2026: Was steht drauf, was bedeutet das für Snooker-Wetten

Snooker-Tisch im Profi-Studio mit grünem Filz und vollständigem Ballset unter warmem Spotlight

Warum diese Liste mich morgens als Erstes interessiert

Ich öffne meinen Arbeitstag fast immer mit derselben Tabelle: der aktuellen Sperrliste der Gespa. Klingt seltsam für jemanden, der Snooker-Quoten analysiert, aber genau dort entscheidet sich, ob ein Buchmacher, dessen Quotenschlüssel ich gerade prüfe, in der Schweiz überhaupt rechtssicher erreichbar ist. Wer in den letzten Jahren denselben Reflex entwickelt hat, weiss, wie schnell sich diese Liste verändert.

Ende 2024 standen genau 490 Domains darauf. Bis August 2025 waren es bereits 2.597 Einträge — ein historisches Rekordniveau, das sich seither nicht beruhigt hat. Diese Verfünffachung innerhalb von acht Monaten ist kein Verwaltungsdetail. Sie verändert ganz konkret, wo ich morgens nach Snooker-Outright-Quoten suche und wo der Browser plötzlich nur noch eine DNS-Fehlermeldung zeigt.

Im Folgenden zeige ich, wie diese Liste zustande kommt, welche Logik hinter den einzelnen Sperrentscheiden steckt und was sie konkret für Snooker-Wettende in der Schweiz bedeutet — bis hin zu den Umgehungsversuchen, die ich regelmässig in Foren sehe und für die ich keinerlei Sympathie habe.

Die nackten Zahlen, und was sie wirklich aussagen

Die Sperrliste der Gespa ist kein statisches Dokument. Sie ist eine fortlaufend gepflegte Datenbank, die das Bundesamt für Kommunikation BAKOM den grossen Schweizer Internetzugangsdiensten zur DNS-Sperrung zustellt. Wer eine gesperrte Domain anwählt, landet auf einer Stopp-Seite — egal ob er Snooker-Wetten, Casino oder Pokerräume sucht.

Im Jahresbericht 2024 nannte die Aufsichtsbehörde 490 Einträge per 31. Dezember. Ich erinnere mich, dass diese Zahl in der Branche noch als überschaubar galt. Acht Monate später war von Überschaubarkeit keine Rede mehr: 2.597 Einträge bedeuten, dass die Aufsicht im Schnitt mehr als 250 neue Domains pro Monat aufgenommen hat. Das spricht für ein aggressiveres Vorgehen — und gleichzeitig für eine Branche, die mit immer neuen Mirror-Seiten reagiert.

Was die Liste nicht zeigt: einzelne Anbieter-Namen, die mehrfach gesperrt wurden, weil sie unter neuer Top-Level-Domain wieder aufgetaucht sind. In meiner eigenen Beobachtung sind das bei den grösseren internationalen Marken oft zehn bis fünfzehn Varianten pro Anbieter, von .com über .net bis zu obskuren Länderdomains. Eine einzige Wettmarke kann also einen zweistelligen Beitrag zur Gesamtzahl leisten.

Diese Eigenheit verzerrt jede oberflächliche Lesart der Liste. Wer die Anzahl der Einträge mit der Anzahl der aktiven Anbieter gleichsetzt, überschätzt die Vielfalt. Realistisch betrachtet stehen hinter den knapp 2.600 Domains schätzungsweise zwischen 150 und 300 unabhängige Wirtschaftsstrukturen — die meisten davon mit Lizenzen aus Curaçao, Anjouan oder Costa Rica. Für die Snooker-Praxis heisst das: Die echte Auswahl an seriösen, gleichzeitig in der Schweiz gesperrten Anbietern ist deutlich überschaubarer, als die Listenlänge suggeriert.

Wie eine Domain überhaupt auf die Liste kommt

Die Sperrentscheide folgen keiner Stimmung, sondern einem Verfahren. Die Gespa identifiziert eine Domain, prüft, ob sie sich an Personen aus der Schweiz richtet, dokumentiert das Beweismaterial — Werbung in deutscher Sprache, Schweizer Zahlungsmethoden wie TWINT, gezielte Ansprache via CHF — und erlässt eine Verfügung. Erst dann wandert der Eintrag ins technische Sperrset.

Manuel Richard, Direktor der Gespa, hat das Bild öffentlich präzise gezeichnet: „Mehrere grosse Anbieter haben sich aus dem Schweizer Markt zurückgezogen, um nicht mit der Sperrliste in Verbindung gebracht zu werden. Einzelne versuchen aber tatsächlich, ihr Geschäft mit dem Aufschalten immer neuer Seiten aufrecht zu erhalten.“ Diese Diagnose deckt sich mit dem, was ich monatlich beobachte: ein paar Marken halten still, andere produzieren Mirrorflut.

Für Snooker-relevante Wettseiten ist das Profil typisch. Die Mehrheit der internationalen Buchmacher, die ein nennenswertes Snooker-Angebot führen — Outrights für die WM, Live-Märkte für die Triple-Crown-Turniere, Highest-Break-Märkte —, bedient Schweizer Spieler aktiv. Sobald die Gespa eine solche Kundenansprache nachweisen kann, ist der Eintrag eine Frage der Zeit, nicht der Möglichkeit.

Konkret: Welche Snooker-Seiten betrifft die Sperrung

Die Liste ist öffentlich, aber sie ist auch sperrig. Ich pflege deshalb eine eigene Submenge: die Domains, hinter denen Sportwettenanbieter mit substanziellem Snooker-Angebot stehen. Dort tauchen vor allem zwei Gruppen auf.

Die erste Gruppe sind die klassischen europäischen Buchmacher mit Lizenzen aus Malta, Gibraltar oder dem Vereinigten Königreich. Sie bieten Frame-Handicaps, Century-Break-Märkte und Live-Streaming für die Tour-Turniere — und sie sind aus Schweizer Sicht gesperrt, sobald sie in CHF oder mit deutschsprachiger Marketing-Ansprache auftreten. Wer im Sommer 2025 die Welsh Open oder das International Championship live verfolgt hat, hat das in Realzeit erlebt.

Die zweite Gruppe sind kleinere Mirror-Strukturen, oft mit weniger transparenter Lizenzierung, die gezielt versuchen, im SEO-Schatten zu wachsen. Für Snooker-Spezialwetten — Maximum Break 147, First Colour Potted, Player Specials — sind sie wirtschaftlich nur bedingt interessant, weil ihr Quotenschlüssel meist schlechter ist. Sie produzieren aber Sperreinträge in derselben Geschwindigkeit wie die grossen Marken.

Aufschlussreich ist die zeitliche Korrelation mit dem Snooker-Kalender. Vor und während der Snooker-WM, beim UK Championship und beim Masters tauchen besonders viele Mirror-Domains auf. Das ist kein Zufall: Drei Triple-Crown-Turniere sind die einzigen Phasen, in denen Snooker in der Schweiz kurzzeitig die mediale Aufmerksamkeit eines Mainstreamsports erreicht. Die Aufsicht reagiert sichtbar — neue Verfügungen häufen sich in den Wochen rund um diese Turniere, weil das aggressivste Marketing dort stattfindet.

Hilfreich ist auch der Blick auf die Zahlungsmethoden, die diese Anbieter im Schweizer Markt zu integrieren versuchen. Wo TWINT, PostFinance oder eine Schweizer Bankverbindung auftaucht, ist die Ansprache eindeutig — und der Sperrentscheid kaum aufzuhalten.

Die Umgehungsversuche, und warum sie ein schlechter Plan sind

Ich werde regelmässig gefragt, ob ein VPN das Problem löst. Die kurze Antwort: technisch oft ja, rechtlich und steuerlich klar nein. Wer eine Schweizer IP-Adresse umgeht und auf einer gesperrten Plattform spielt, verlässt nicht nur die Sphäre des Geldspielgesetzes — er verzichtet auch auf den steuerlichen Freibetrag, der bei inländischen Anbietern bis CHF 1.070.400 reicht und bei ausländischen schlicht nicht greift.

Hinzu kommt eine Realität, die viele unterschätzen: „Die Rechtsdurchsetzung ist erschwert, weil die Plattformen oft Sitz in Offshore-Staaten haben und im Ausland meistens eine andere Rechtsgrundlage bei Internetdelikten besteht.“ Diese Einschätzung des Gespa-Direktors klingt auf den ersten Blick nach Schwäche der Aufsicht — sie ist aber gleichzeitig ein Hinweis darauf, dass im Streitfall der Spieler ohne Schweizer Rechtsschutz dasteht. Auszahlungsprobleme, eingefrorene Konten, ungeklärte Bonuskonditionen: All das wird in einer Offshore-Konstellation nicht von einer Schweizer Stelle moderiert.

Mir ist ausserdem aufgefallen, dass viele dieser Umgehungswege kurzlebig sind. Sobald ein Mirror erkannt wird, landet auch er auf der Liste. Wer einen Monat zuvor noch geöffnete Wetten hatte, kann diese unter Umständen nur noch über fremde Geräte einsehen — eine miserable Position, gerade kurz vor einem Crucible-Finale.

Wer dieses Bild ganz aufzieht, landet schnell beim breiteren Schweizer Spielerschutz — und dort vor allem bei den ESBK-Spielsperren 2024 mit ihren 18 216 neuen Einträgen, die zeigen, wie ernst die Aufsicht das Thema mittlerweile nimmt.

Wird die Gespa-Sperrliste täglich aktualisiert?

Die Aktualisierung erfolgt laufend, aber nicht im Stundentakt. Die Aufsichtsbehörde erlässt Verfügungen einzeln, und das BAKOM übermittelt die Sperrlisten den Zugangsdiensten in Etappen. In der Praxis bedeutet das: Eine neu aufgenommene Domain ist meist innerhalb weniger Tage flächendeckend gesperrt, in seltenen Fällen ein bis zwei Wochen lang noch teilweise erreichbar.

Wie viele Snooker-Wettseiten stehen aktuell darauf?

Die Gespa veröffentlicht die Liste nicht nach Sportart sortiert. Aus meiner laufenden Beobachtung lässt sich aber sagen: Praktisch jeder grosse internationale Buchmacher mit umfangreichem Snooker-Angebot, der die Schweiz aktiv bewirbt, ist in mindestens einer Domain-Variante gesperrt. Das betrifft die etablierten europäischen Marken ebenso wie die Mirror-Konstrukte, die im Schatten arbeiten.

Verfasst vom Team von „Snooker Wetten Bonus Schweiz”.

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